Das Museen Net

Es gibt immer etwas zu entdecken

Friday, 02 May 2014 00:00

EIN KRIMINALISTISCHER NACHTRAG ZUM KONZERTHAUS

Written by 
Rate this item
(1 Vote)
Gartners Einlieferung ins Wiener Landesgericht Gartners Einlieferung ins Wiener Landesgericht Bezirksmuseum Wien 3

Über die verschiedenen Nutzungen dieses Musentempels habe ich ja bereits berichtet.
Dass aber jemals ein Mord in diesem ehrwürdigen Haus verübt wurde, ist weitgehend unbekannt.
Im Buch Tatort Wien, Band 2 von Harald Seyrl, ( zu beziehen in unserem Shop Genaustria ) dem Initiator und Leiter des Wiener Kriminalmuseums im 2. Bezirk ist folgender Artikel zu finden, den ich Ihnen auszugsweise zu wissen bringe:

MORD IM KONZERTHAUS
Der Fall Felix Gartner


„Am 3. November 1928 war das Konzerthaus der Schauplatz einer furchtbaren Bluttat. Ein zahlreiches Publikum füllte die Räume der Kunststätte, um den Klängen des Violinvirtuosen Vasa Pryhoda zu lauschen.“
Als mit diesen Worten am 8. Juni 1929 die Anklageschrift gegen Felix Baron Gartner im Schwurgerichtssaal des Wiener Landesgerichtes verlesen war, wurde der Schlussstrich unter ein Verbrechen gezogen, welches einige Monate zuvor in Wien größtes Aufsehen verursacht hatte ...

Djidji Mouheb PaschaSchon zu Beginn des Konzertes war den Besuchern eine überaus attraktive und elegante, dunkelhaarige Dame in einer Loge aufgefallen, und man raunte sich zu, dass es sich bei der schönen Frau um eine ägyptische Prinzessin handeln würde … Erst in der großen Pause … stand die schöne Ägypterin (wieder) im Zentrum des Interesses.
Diese schien jedoch ihre Umgebung nicht zu beachten, sie war in ein offensichtlich erregtes Gespräch mit einem Herrn der Wiener Gesellschaft verwickelt. Auch dieser Gesprächspartner der Prinzessin war nicht unbekannt. Felix Baron Gartner war sein Name, ehemaliger Dragonerrittmeister und Gutsbesitzer aus Oberösterreich, der seit vielen Jahren in Wien lebte und zu einem fixen Bestandteil der Gesellschaft geworden war.
Nach den Klingelzeichen, die das Ende der großen Pause ankündigten, begab man sich wieder in den Konzertsaal.
Eine Loge war jedoch leer – die Loge Nr. 2 der schönen Ägypterin. Sie stand zu diesem Zeitpunkt, wie ein Zeuge später aussagen sollte, immer noch im Foyer, verwickelt in das heftige Gespräch mit Baron Gartner …
Ein Augenzeuge, der Logenschließer Josef Oberwasser, berichtete später: „Prinzessin Djidji Mouheb Pascha war bis nach dem dritten Klingelton mit Baron Gartner in eine immer heftiger werdende Diskussion verstrickt.
Nach dem letzten Läuten wandte sich die Prinzessin brüsk von ihrem Gesprächspartner ab, um sich in ihre in der Nähe liegende Loge zu begeben.
In diesem Moment griff Gartner in die Tasche, zog eine Pistole und gab in rascher Reihenfolge mehrere Schüsse auf die Prinzessin ab. Diese stürzte zu Boden und blieb regungslos liegen.
Gartner jedoch lief dem Ausgang entgegen und rief  laut „aufhalten, aufhalten“, so als wollte er selbst einen Täter verfolgen ...“
Der Logenschließer … konnte diesen noch vor Erreichen des Ausganges festhalten. Die beim Konzert anwesenden Polizeibeamten waren inzwischen ebenfalls zur Stelle und Gartner wurde … in das nächstliegende Wachzimmer gebracht. Beim Opfer, der ägyptischen Prinzessin Wegjiha, genannt Djidji, Mouheb Pascha, kam jedoch jede Hilfe zu spät – der Arzt konnte nur mehr den Tod konstatieren.
Gartner war einer der entwurzelten Offiziere, die nach dem Kriegsende im Zivilleben Schiff bruch erlitten.
Er hatte zwar eine Gutsbesitzerin geheiratet, aber sein aufwändiger Lebensstil brachte nicht nur den Verlust des Gutes sondern auch das Ende dieser Ehe.
Schließlich traf er die junge Ägypterin, die eine Tochter des in Wien lebenden reichen Mouheb Pascha war. Er hoffte, seine finanziellen Schwierigkeiten durch eine Eheschließung mit der schönen jungen Frau beheben zu können. Sowohl deren Vater als auch Djidji wollten aber davon nichts wissen.
Gartner hatte erfahren, dass die Prinzessin das Pryhoda-Konzert besuchen werde, weshalb auch er sich eine Eintrittskarte besorgte. Bei der Aussprache erfuhr er, dass Djidji nicht ihn sondern den arabischen Prinzen Omar Halim heiraten werde. Diese Abfuhr und die Verzweiflung wegen seiner zerrütteten Finanzlage ließen ihn die junge Frau erschießen.

Gartners Einlieferung ins Wiener Landesgericht
Felix Gartner wurde des vorsätzlichen Mordes für schuldig befunden und zu einer Strafe von 12 Jahren schweren Kerkers verurteilt.
Wohl wurde er vor Ablauf der Strafdauer wegen guter Führung … vorzeitig entlassen, doch war sein Leben zerstört …
1937 endete sein Leben: er starb völlig verarmt in einem Sammelkrankensaal des Krankenhauses in Wels.

Die Erzählung finden Sie im Museumsheft 2013/2 zu beziehen im Shop Genaustria

Read 1821 times Last modified on Monday, 26 May 2014 14:43
Login to post comments

Unser Partner BDA

Kultur Förderer

Unsere Förderer
Kultur Kontakt - des BMfKK
Der Wiener Stadtschulrat
Die Kulturabteilung der Gemeinde Wien

Unser Shop

Eine reiche Auswahl an Büchern, Zeitschriften, DVD, Druckwerke - besuchen Sie: http://shop.genaustria.at/Buch/Daheim-in-Sitzendorf::474.html