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Saturday, 29 March 2014 00:00

DAS LÄNGST VERGESSENE SCHLOSS IN DER ERDBERGSTRASSE Featured

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Schloss in der Erdbergstrasse Schloss in der Erdbergstrasse Bezirksmuseum Wien 3

In unserem Bildarchiv befindet sich das Foto, das ich Ihnen hier zeigen will.
Im letzten Sommer erhielt ich das Mail einer englischen Firma, die mit Bildern und alten Drucken handelt. Sie fragten an über die Hintergründe des Verkaufs durch Konstanze Rasumofsky, geborene Gräfin Thürheim (1785-1867) – die Witwe des Fürsten (1752-1836) – des Palais Rasumofsky. Ich nahm an, dass es sich um das Palais in der Rasumofskygasse handelt und berichtete, dass dieses meines Wissens zwei Jahre nach dem Tod des Fürsten von seiner Witwe um 190.000 Gulden und eine jährliche Leibrente von 12.000 Gulden an Alois Fürst Liechtenstein verkauft wurde. Dann bekam ich die Antwort, dass es sich bei dem angefragten Schloss um eine andere Baulichkeit handelt, die von der Witwe mittels Versteigerung veräußert wurde.
Und dem Mail war die historische Versteigerungsankündigung angeschlossen.

Schloss in der Erdbergstrasse_Versteigerungsankündigung
Nun wusste ich Bescheid!
Die Hauptfassade, von der wir keine Abbildung besitzen, befand sich an der heutigen Anschrift Erdbergstraße 29. Der dazu gehörende Garten reichte hinunter bis zur Donau. Die Liegenschaft wird in der Landstraßer Häuserchronik von Pemmer nicht nur unter der obigen Adresse, sondern auch sowohl unter Wassergasse 7 und 9, als auch Erdberger Lände 28 erwähnt.
Ich zitiere nun aus „dem Pemmer“ die baulichen Veränderungen und anschließend die Besitzerreihe:

1765 Erbauung eines Gartengebäudes durch Zeno Graf Montecuccoli
1785 Zubau durch den nunmehrigen Besitzer Daniel Tschida errichtet
1819 Fürst Rasumofsky erhält einen Abteilungskonsens
1837 Bauabänderung durch Baumeister Lechner
1838 Aufsetzung eines Stockwerkes und Zubau durch Baumeister Dalberg
Neuerbauung unter dem neuen Besitzer D‘Orsay durch Baumeister Dalberg
1869 Zweistöckiger Neubau durch Baumeister Schneider
1765 Zeno Graf Montecuccoli
1783 Daniel Tschida, bgl. Handelsmann
1807 Andreas Kirillowitsch Fürst Rasumofsky
1837 Konstanze Domenica Fürstin Rasumofsky, geborene Gräfi n Thürheim
1838 Franz Huber, noch im selben Jahr
Graf D‘Orsay
1868 Josef von Baechle

Bald nachdem Rasumofsky dem belgischen Architekten Louis Montoyer den Auftrag für die Erbauung seines Palais erteilte, engagierte er den aus Kurhessen stammenden Gartengestalter Konrad Rosenthal zur Anlegung einer Parkanlage. Es ist bekannt, dass Rosenthal während seiner jahrelangen Beschäftigung mit diesem Auftrag das Erdberger Schlösschen mit seiner Familie bewohnte und in unmittelbarer Nähe desselben die für die Anlegung des Parks erforderlichen Pflanzen in Glashäusern – eines davon ist auf dem rechten Bildrand erkennbar – zog.
Die heutige Wassergasse wurde 1862 benannt; auf dem Vasquez-Stadtplan von 1830 trägt sie den Namen Donaugasse und wurde anschließend wahrscheinlich ab 1838 in D‘Orsaygasse umbenannt.
Offenbar fand die erbende Witwe keinen Käufer für das Schloss in der Erdbergstraße, weshalb sie es versteigern ließ.
Auffallend dabei ist, dass der oben ersichtliche Franz Huber die Anlage ersteigerte und sie noch im selben Jahr an D‘Orsay verkaufte.

Ein Auszug aus dem Museumsheft 2013/1 zu beziehen im Shop Genaustria

Read 1583 times Last modified on Thursday, 08 May 2014 19:04
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