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Tuesday, 29 April 2014 00:00

DIE OPERNBÄLLCHEN DES PATER DEBRAY Featured

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der ehemalige Schwechater Hof auf der Landstrasse der ehemalige Schwechater Hof auf der Landstrasse Bezirksmuseum Wien 3

Die Dame, der ich diese Geschichte verdanke, ist eine treue Museumsbesucherin. Als sie eines Tages das „Opernbällchen“ im Gespräch erwähnte, wusste ich, dass das wieder einmal ein Beitrag für meine treuen Leser sein wird.
Bitte, lassen Sie sich von mir jetzt ein wenig in die Vergangenheit entführen, als es noch keine Galleria auf der Landstraße gab. Erinnern Sie sich noch an den Schwechater Hof?
Meine zweite Hilfe zur Erinnerung betrifft die Person des Salesianerpaters Friedrich Debray. Er war bei allen Don Bosco-Freunden in Erdberg als rühriger Jugendseelsorger bekannt. Ich erinnere hier daran, dass er das legendäre Wagenrad in der Dietrichgasse gründete, wo er eine Heimstätte für Jugendliche einrichtete.
Kurz nach der Unterzeichnung des Staatsvertrages verwirklichte er seine Idee, für die jungen Menschen, aber auch deren Eltern, im Fasching im Schwechater Hof eine Ballveranstaltung zu veranstalten, der er den Namen Opernbällchen gab.

Einzug der Paare 1974    Jungkomitee trägt Barockkostüme

Wie beim großen Opernball gab es ein Jungdamen- und Herrenkomitee, das nach dem feierlichen Einzug die Tanzveranstaltung mit einer festlichen Polonaise eröffnete.
Nun lassen wir aber Frau Eva-Maria Liska zu Wort kommen:
Pater Debray (1909 – 2002), Seelsorger im Salesianum in der Hagenmüllergasse und Religionsprofessor im nahen GRG III leitete den Club Wagenrad in der Dietrichgasse, der damals noch kein eingetragener Verein war.
Neben vielen anderen Aktivitäten für und mit Jugendliche(n) rief er 1956 das Opernbällchen ins Leben, nachdem 1955 zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiener Opernball über die Bühne tanzte.
Debrays Veranstaltung fand jeweils im Fasching im Schwechater Hof an der Landstraßer Hauptstraße bis zu dessen Schließung , danach einige Male im Sondergastraum des Westbahnhofes statt und ging später im Schulball des GRG III auf.
In den Jahren 2005 und 2006 gab es wieder das Opernbällchen im Don-Bosco-Saal des Salesianums. Organisiert wurde die Veranstaltung früher – außer von Pater Debray – unter anderem von OSTR Mag. Haid, MR Mag. Lowak, Herrn Schiebendrein und dem Ehepaar Pfaffenbichler.
In den Jahren von 1972 bis 1974 durfte auch ich das Opernbällchen mit eröffnen. Wie es dazu kam, weiß ich nicht mehr, wahrscheinlich wurden per Anschlag oder im GO-IN, der Veranstaltungszeitschrift des Wagenrads, junge Leute dafür gesucht. Insgesamt waren wir nicht mehr als acht Paare. Mein Tanzpartner war der spätere Journalist Joachim R. Unser Tanzmeister war Herr Kukula, der für die Choreographie zuständig war, aber einen anderen Zivilberuf hatte. Er schaffte es jedes Mal, mit einem nicht besonders begabten Haufen junger Leute eine würdige Eröffnung zu gestalten.
Durch das Spalier, das wir bildeten, zogen Pater Debray und die Ehrengäste ein.
Wir tanzten nach den Klängen der Fächerpolonaise von Carl Michael Ziehrer. Während der Eröffnung gab es auch Gesangeinlagen; wenn ich mich recht erinnere, handelte es sich dabei um Operettenarien.
Nachdem alles glücklich überstanden war, erhob sich Pater Debray zu einer kurzen Ansprache und begrüßte die anwesenden Ehrengäste, die an einem Tisch ganz vorne bei ihm saßen. Sicher waren das die Mitorganisatorinnen und -organisatoren, einige Lehrerinnen und Lehrer der Schule Hagenmüllergasse und wahrscheinlich befanden sich darunter auch die beiden bereits verstorbenen Lehrer Frau Prof. Mor und Herr Prof. Sabler.
Musikkapelle gab es aus Kostengründen keine, Herr Kukula legte Schallplatten auf. Alle notwendigen Dienste, auch den Verkauf der Eintrittskarten an der Abendkassa, leisteten ehrenamtliche Helfer.
Pater Debray rekrutierte Freiwillige, wo er ihrer habhaft werden konnte; wahrscheinlich gehörte auch die Sängerin dazu.
Es wurde natürlich sehr viel getanzt. Nur Pater Debray tanzte nie; er wurde zwar per Damenwahl von uns Mädchen immer wieder dazu aufgefordert, lehnte aber immer dankend ab.
Auch meine Eltern nahmen zumindest einmal an einem Opernbällchen teil. Die Gäste waren vermutlich hauptsächlich Schüler der Oberstufe der Hagenmüllergasse samt Familien und Angehörige des Clubs Wagenrad.
Der Ballraum im Schwechater Hof war mit Girlanden geschmückt, aber meiner Erinnerung nach täuschte all die Festlichkeit nicht über die Schäbigkeit des Saales hinweg. Ich glaube, dass die Veranstaltung jeweils am Faschingsonntag stattfand; der Beginn war, wenn ich mich recht erinnere, um 20:00 Uhr, und um 24:00 Uhr war das Fest zu Ende. ........


weiterlesen im Museumsheft 2012/4

Ein Auszug aus dem Museumsheft 2012/4 zu beziehen im Shop Genaustria

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